Finanzielle Förderung für das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM)

Von Philipp Kochan · Veröffentlicht am · Zuletzt aktualisiert am

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Motivierte, zufriedene und vor allem gesunde Mitarbeiter:innen sind die Grundvoraussetzung für nachhaltigen Unternehmenserfolg. Deshalb setzen immer mehr Unternehmen auf das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM). Das Schöne daran: Der Gesetzgeber, die Krankenkassen und die Rentenversicherung beteiligen sich an der Gesundheitsförderung von Beschäftigten. Welche Fördermöglichkeiten es für das Betriebliche Gesundheitsmanagement gibt, erfahren Sie in diesem Artikel.

BGM-Förderung auf einen Blick

Für BGM können Arbeitgeber bis zu 600 Euro pro Beschäftigtem und Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei nach § 3 Nr. 34 EStG ausgeben, zusätzlich Sachbezüge bis 50 Euro im Monat gewähren und die kostenlose Unterstützung der Krankenkassen und der Rentenversicherung nutzen. Die Tabelle zeigt die Förderwege im Überblick (Stand: Oktober 2026), die Abschnitte weiter unten gehen ins Detail.

Förderweg Umfang Voraussetzung Ansprechpartner
Steuerfreibetrag § 3 Nr. 34 EStG bis 600 € pro Beschäftigtem und Kalenderjahr zusätzlich zum Lohn; Maßnahme erfüllt die Kriterien der §§ 20, 20b SGB V Lohnbuchhaltung, Steuerberatung
Sachbezugsfreigrenze § 8 Abs. 2 EStG bis 50 € pro Monat (alle Sachbezüge zusammen) Sachleistung oder zweckgebundener Gutschein, zusätzlich zum Lohn Lohnbuchhaltung
Betriebliche Gesundheitsförderung der Krankenkassen (§ 20b SGB V) Beratung, Analyse, Maßnahmen im Betrieb Maßnahme entspricht dem GKV-Leitfaden Prävention Krankenkassen, BGF-Koordinierungsstelle
RV Fit der Deutschen Rentenversicherung kostenloses Präventionsprogramm für Beschäftigte erste gesundheitliche Beschwerden; Antrag durch die Beschäftigten Firmenservice der Rentenversicherung
ESF Plus und Landesprogramme je nach Programm je nach Bundesland und Förderaufruf ESF-Verwaltungsbehörde des Landes

Betriebliches Gesundheitsmanagement nützt Arbeitnehmenden und Unternehmen

Seitdem Henry Ford das Fließband erfunden hat, hat sich viel getan. Zunächst vorangetrieben durch die Gewerkschaften, nahm der Gesundheitsschutz der Mitarbeiter:innen eine immer wichtigere Rolle ein. Heute gibt es eine Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, ein Arbeitsschutzgesetz und viele weitere Gesetze und Verordnungen, die die Gesundheit von Arbeitnehmenden schützen.

Viel entscheidender jedoch ist, dass immer mehr Unternehmen den Wert der Gesundheit ihrer Mitarbeitenden erkannt haben. Sie ergreifen eigeninitiativ betriebliche Maßnahmen, die zum Teil weit über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen. Natürlich nicht ganz uneigennützig, denn geistig und körperlich fitte Mitarbeiter:innen sind unter anderem produktiver, kreativer und motivierter. BGM ist damit ein Baustein der Digitalisierung und Professionalisierung im HR, die von der Zeiterfassung über die Personalakte bis zur Gesundheitsförderung reicht.

Der größte Vorteil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements liegt darin, dass alle gleichermaßen davon profitieren. Ein Arbeitsplatz mit geringen gesundheitlichen Risiken trägt zum Erhalt oder sogar zur Verbesserung des Gesundheitszustandes bei. Die Arbeit fällt leichter, das steigert das eigene Wohlbefinden und verbessert das gesamte Betriebsklima.

Arbeitgebende profitieren nicht nur von der Leistungssteigerung, sondern auch vom Imagegewinn, der die Loyalität vorhandener Mitarbeiter:innen verbessert und das Recruiting erleichtert. In Zeiten des anhaltenden Fach- und Führungskräftemangels ist das kein unwesentliches Argument.

Auch die Politik hat ein Interesse daran: Wer durch die Arbeit krank wird, belastet das Gesundheits- und Sozialsystem. Deshalb fördern Gesetzgeber, Krankenkassen und Rentenversicherung Maßnahmen, die der Gesundheit der Beschäftigten zugutekommen. Mit dem Präventionsgesetz, das am 25. Juli 2015 in Kraft trat, wurde die betriebliche Gesundheitsförderung als Aufgabe der Krankenkassen zusätzlich gestärkt.

Steuerfreibetrag: 600 Euro pro Jahr nach § 3 Nr. 34 EStG

Nach § 3 Nr. 34 EStG sind Leistungen des Arbeitgebers zur Gesundheitsförderung bis zu 600 Euro pro Beschäftigtem und Kalenderjahr steuer- und sozialversicherungsfrei. Voraussetzung ist, dass die Leistung zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbracht wird. Eine Umwandlung von Gehalt ist also nicht begünstigt.

Außerdem müssen die Maßnahmen hinsichtlich Qualität, Zweckbindung, Zielgerichtetheit und Zertifizierung den Anforderungen der §§ 20 und 20b SGB V genügen. In der Praxis heißt das:

  1. Kurse der individuellen Prävention (z. B. Rückenkurs, Stressbewältigung, Ernährung, Suchtprävention) müssen zertifiziert sein. Die Teilnahme belegen Beschäftigte mit einer vom Kursleitenden unterschriebenen Teilnahmebescheinigung, die Kurstitel und Kurs-ID nennt.
  2. Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung (z. B. Arbeitsplatzanalyse, gesundheitsgerechte Führung, bewegungsförderliche Arbeitsumgebung) müssen den Kriterien des GKV-Leitfadens Prävention entsprechen (Fassung vom 17. Dezember 2025).
  3. Nicht begünstigt sind Mitgliedsbeiträge für Sportvereine und Fitnessstudios sowie pauschale Barzuschüsse zum Training.

Unabhängig vom Freibetrag sind Ausgaben für die Gesundheitsförderung Betriebsausgaben und mindern den Gewinn des Unternehmens.

Förderung durch die Krankenkassen

Gesetzliche Krankenkassen sind nach § 20b SGB V verpflichtet, betriebliche Gesundheitsförderung zu erbringen, und unterstützen Unternehmen mit Beratung, Analysen und Maßnahmen im Betrieb. Dazu kommen die individuelle verhaltensbezogene Prävention nach § 20 SGB V und die Prävention arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren nach § 20c SGB V.

Was die Krankenkassen fördern dürfen, legt der GKV-Spitzenverband im Leitfaden Prävention fest. Nur Maßnahmen, die diesem Leitfaden entsprechen, dürfen die Kassen durchführen oder fördern. Dazu gehören unter anderem:

  • Gesundheitsförderliche Gestaltung von Arbeitstätigkeit und -bedingungen
  • Gesundheitsgerechte Führung
  • Gesundheitsförderliche Gestaltung betrieblicher Rahmenbedingungen
    • Bewegungsförderliche Umgebung
    • Gesundheitsgerechte Verpflegung im Arbeitsalltag
    • Verhältnisbezogene Suchtprävention im Betrieb
  • Stressbewältigung und Ressourcenstärkung

Die Verpflichtung nach § 20b SGB V gilt für die gesetzlichen Krankenkassen, private Krankenversicherungen sind dazu nicht verpflichtet. Fragen Sie am besten bei den Krankenkassen an, bei denen viele Ihrer Beschäftigten versichert sind, und stimmen Sie Maßnahmen vorab mit der Kasse ab.

Einen guten Einstieg bietet die BGF-Koordinierungsstelle. Sie ist eine gemeinsame Initiative der gesetzlichen Krankenkassen, berät Betriebe kostenlos und richtet sich ausdrücklich auch an kleine Unternehmen.

RV Fit: Prävention der Rentenversicherung

RV Fit ist das kostenlose Präventionsprogramm der Deutschen Rentenversicherung für Beschäftigte mit ersten gesundheitlichen Beschwerden. Es kostet das Unternehmen nichts außer der Freistellung für einzelne Tage und ergänzt das eigene BGM.

Das Programm besteht aus vier Phasen, meist in Gruppen von 10 bis 15 Personen:

  1. Initialphase: wenige Tage ganztägig ambulant oder stationär, mit Check-up, Trainingsplan und Inhalten zu Bewegung, Ernährung und Stress
  2. Trainingsphase: mehrere Monate, ein- bis zweimal pro Woche berufsbegleitend
  3. Eigeninitiativphase: mehrere Monate selbstständiges Training
  4. Auffrischungsphase: ein bis zwei Tage zum Erfahrungsaustausch

Für die ganztägigen Phasen werden Beschäftigte laut Deutscher Rentenversicherung bei fortlaufendem Entgelt freigestellt, der Rest findet überwiegend außerhalb der Arbeitszeit statt. Den Antrag stellen die Beschäftigten selbst online. Arbeitgeber können über den Firmenservice der Rentenversicherung (0800 1000 453) auch Gruppen aus dem eigenen Betrieb anmelden.

Förderung durch den Europäischen Sozialfonds (ESF Plus)

Der Europäische Sozialfonds Plus ist das wichtigste Instrument der Europäischen Union zur Förderung von Beschäftigung. In der Förderperiode 2021–2027 setzen Bund und Länder eigene Programme auf. Einzelne davon können Maßnahmen zur Gesundheitsförderung oder zur alternsgerechten Gestaltung von Arbeit einschließen.

Ein bundesweites Förderprogramm speziell für BGM gibt es im ESF Plus nicht. Ob es in Ihrem Bundesland gerade einen passenden Förderaufruf gibt, erfahren Sie bei der ESF-Verwaltungsbehörde oder der Förderbank des Landes.

BGM zahlt sich aus

Unternehmen, die auf die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden achten, profitieren langfristig davon, und dank der Fördermöglichkeiten sinkt der finanzielle Aufwand deutlich. Am unbürokratischsten sind die Steuerbefreiungen. Eine Anfrage bei den im Betrieb häufig vertretenen Krankenkassen lohnt sich ebenfalls, da sie gesetzlich zur betrieblichen Gesundheitsförderung verpflichtet sind.

Wie Sie die passende Maßnahme auswählen, lesen Sie in unserem Beitrag In 5 Schritten zur richtigen BGM-Maßnahme. Welche digitalen Angebote es gibt, zeigt der Beitrag zum digitalen BGM.

Häufige Fragen zur BGM-Förderung

Wie viel Geld können Arbeitgeber für BGM steuerfrei ausgeben?

Bis zu 600 Euro pro Beschäftigtem und Kalenderjahr sind nach § 3 Nr. 34 EStG steuer- und sozialversicherungsfrei, wenn die Leistung zusätzlich zum Lohn erbracht wird und den Kriterien der §§ 20 und 20b SGB V entspricht. Zusätzlich gilt die Sachbezugsfreigrenze von 50 Euro im Monat.

Ist ein Fitnessstudio-Zuschuss steuerfrei?

Nicht über die 600 Euro nach § 3 Nr. 34 EStG: Mitgliedsbeiträge für Fitnessstudios und Sportvereine sind dort ausdrücklich nicht begünstigt. Eine Firmenfitness-Mitgliedschaft kann aber als Sachbezug steuerfrei sein, solange alle Sachbezüge im Monat zusammen 50 Euro nicht übersteigen.

Welche Kurse fallen unter den Freibetrag von 600 Euro?

Zertifizierte Präventionskurse zu Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung und Suchtprävention sowie Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung, die dem GKV-Leitfaden Prävention entsprechen. Die Teilnahme wird mit einer Bescheinigung samt Kurs-ID nachgewiesen.

Übernehmen Krankenkassen die Kosten für BGM?

Gesetzliche Krankenkassen sind nach § 20b SGB V zur betrieblichen Gesundheitsförderung verpflichtet und unterstützen mit Beratung, Analysen und Maßnahmen, die dem GKV-Leitfaden Prävention entsprechen. Eine kostenlose Erstberatung bietet die BGF-Koordinierungsstelle der Krankenkassen.

Ist BGM für Unternehmen Pflicht?

Nein, BGM ist freiwillig. Pflicht sind dagegen der Arbeitsschutz einschließlich Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz und das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) nach § 167 Abs. 2 SGB IX für Beschäftigte, die innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen arbeitsunfähig waren.