Digitales Lernen - Chancen und Risiken von E-Learning

Unternehmen sind immer nur so gut wie ihre Mitarbeiter:innen. Wer das begriffen hat, weiß wie wichtig es ist, die kontinuierliche Aus- und Weiterbildung im Rahmen der Personalentwicklung sicherzustellen. E-Learning erfreut sich dabei zunehmender Beliebtheit, weil es einige unschlagbare Vorteile mit sich bringt.
Die Bedeutung der Personalentwicklung hat sich mittlerweile in den meisten Unternehmen herumgesprochen. Nicht zuletzt der Fach- und Führungskräftemangel hat dazu geführt, dass immer mehr Unternehmen Wert auf die interne Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden legen. Es ist eben nicht mehr so einfach wie früher Know-how und Erfahrung von außen in das Unternehmen zu holen.
Chancen und Risiken von E-Learning auf einen Blick
E-Learning bietet Unternehmen vor allem Flexibilität, gleichbleibende Qualität und geringere Kosten pro Teilnehmenden; die Risiken liegen in fehlender Strategie, technischen Voraussetzungen und der nötigen Selbstdisziplin. Die Tabelle fasst beides zusammen, die Abschnitte weiter unten gehen ins Detail.
| Chancen (Vorteile) | Risiken (Nachteile) |
|---|---|
| Lernen zeitlich und örtlich flexibel, ohne Reisetage | Ohne Strategie und passende Plattform verpufft der Nutzen |
| Geringere Kosten als Präsenzseminare mit Reise und Übernachtung | Endgeräte, Software und ausreichende Bandbreite sind nötig |
| Inhalte gezielt nach Bedarf und im eigenen Tempo | Lernen ohne festen Termin erfordert Selbstdisziplin |
| Gleichbleibende Qualität für alle Teilnehmenden | Der persönliche Austausch fehlt, wenn E-Learning Präsenzformate komplett ersetzt |
| Mehrsprachige Angebote für mehrere Standorte | Mitarbeitende brauchen feste Lernzeiten im Arbeitsalltag |
| Teilnahme an Pflichtschulungen lässt sich nachweisen |
Schulungen und Seminare sind zu großen Teilen wirkungsfrei
Die Art und Weise wie Weiterbildung praktiziert wird, erinnert allerdings mitunter an steinzeitliche Methoden. In den meisten Unternehmen pflegt die Personalabteilung einen starren Schulungsplan, der für verschiedene Abteilungen oder Positionen ein gewisses Weiterbildungskontingent vorsieht. Meist eine konkrete Anzahl an Schulungstagen im Jahr. Oft nur so viel, wie nötig sind, um bestimmte Normen und Vorgaben vom Gesetzgeber, Lieferanten oder anderen Anspruchsgruppen zu erfüllen.
Die Mitarbeitenden werden dann auf interne oder externe Schulungen oder Seminare geschickt. Hier wird sogenanntes Vorratslernen praktiziert, wie in der Schule. Doch das Vorratslernen wird dem Gedanken des „lebenslangen Lernens“ mit einem Wirkungsgrad von unter zehn Prozent in keinerlei Form gerecht. Oder anders ausgedrückt: Das meiste, was bei solchen Seminaren gelehrt wird, ist für die Arbeit des Einzelnen irrelevant und ein großer Teil vom Rest ist schnell wieder vergessen.
E-Learning kann Wettbewerbsfähigkeit sicherstellen
Das E-Learning bietet eine Alternative zu klassischen Lernmethoden. Seit Beginn dieses Jahrhunderts nimmt die Verbreitung digitaler Lernangebote immer mehr an Fahrt auf und ist dabei eng an die technologische Entwicklung geknüpft. Je größer und ausgereifter das Angebot an Lernsoftware und Lernplattformen, desto praxistauglicher wird E-Learning für Unternehmen. Damit ist E-Learning ein Teil der Digitalisierung im HR, die von der Zeiterfassung über die Personalakte bis zur Weiterbildung reicht.
Der ständige Zuwachs an Wissen steigert den Druck auf die Personalentwicklung. Um in einer von Globalisierung, Digitalisierung und Technologisierung geprägten Welt nicht den Anschluss zu verlieren und wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Mitarbeitenden neue Formen der Weiterbildung geboten werden. Denn gelegentliche Seminare sind weder ausreichend noch zielführend.
E-Learning fördert Selbstbestimmung und Selbstorganisation
E-Learning ermöglicht es Unternehmen das Lernen in die Organisation zu holen und in den Arbeitsalltag zu integrieren. So können Mitarbeiter:innen unter Zuhilfenahme verschiedener Medien selbstbestimmt und selbstorganisiert lernen. Das steigert nicht nur die Lernmotivation, sondern ist auch Grundvoraussetzung für die Entwicklung von Kompetenzen. Und gerade die Kompetenzen sind es, die in einer disruptiven und dynamischen Arbeitswelt wichtiger denn je sind. Denn erst Kompetenzen ermöglichen es Mitarbeitenden auch in neuen, unvorhersehbaren und unüberschaubaren Situationen zielorientiert zu handeln. Situationen, wie wir sie in Zukunft immer öfter erleben werden.
Die Corona-Krise war eine solche Situation, wenngleich ein Extrembeispiel. Aber sie hat uns gezeigt, wie sich ein Virus in einer global-vernetzten Welt innerhalb kürzester Zeit ausbreitet und drastischen Einfluss auf das Gesellschafts- und Wirtschaftsleben nimmt. In dieser Zeit, in der Präsenzveranstaltungen unmöglich waren, hat das E-Learning einen Boom erlebt. Statt die Mitarbeiter:innen Däumchen drehen zu lassen, konnten Unternehmen in ihre Bildung investieren, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen.
E-Learning benötigt finanzielle, technische und zeitliche Ressourcen
Noch viel wichtiger aber ist es den Arbeitnehmenden im Arbeitsalltag Freiräume zu gewähren, in denen sie die E-Learning-Angebote, die das Unternehmen bereitstellt, effizient nutzen können. Es ergibt keinen Sinn, den Mitarbeitenden eine Lernplattform anzubieten, deren Anwendung im stressigen Alltag viel zu kurz kommt.
Es liegt im ureigenen Interesse des Unternehmens, dass die Mitarbeiter:innen ihren Wissensschatz erweitern und Kompetenzen entwickeln. Dafür braucht es Zeit, in der die Mitarbeiter:innen von ihren stellenbezogenen Aufgaben und Tätigkeiten entbunden werden, um sich ganz gezielt auf das E-Learning konzentrieren zu können.
Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden genau das bieten, sind Profiteure auf vielfache Art und Weise. Sie müssen zwar zunächst eine technische Infrastruktur schaffen, die digitales Lernen ermöglicht, haben aber dann die Chance kluge Köpfe langfristig zu binden und neue Talente zu fördern. Das verschafft ein wenig Unabhängigkeit vom Arbeitsmarkt und sichert den nachhaltigen Unternehmenserfolg. Gleichzeitig lassen sich durch E-Learning Fehlzeiten minimieren und Kosten sparen.
Die Vorteile von E-Learning
E-Learning ist flexibel
Statt Mitarbeitende für Schulungen und Seminare tagelang freizustellen, findet E-Learning zeitlich und örtlich unabhängig statt. Es kann also dann praktiziert werden, wenn Zeit dafür ist oder gerade eine entsprechende Herausforderung ansteht. Flexibilität besteht auch hinsichtlich der Lehrinhalte: Unternehmen können entweder auf vorhandene Inhalte zurückgreifen oder eigene, perfekt auf den Betrieb zugeschnittene Lerninhalte entwickeln und in eine Lernsoftware integrieren.
E-Learning ist kostengünstig
Während Präsenzveranstaltungen häufig einen vierstelligen Betrag pro Tag kosten und auch noch Reise- und Übernachtungskosten hinzukommen, sind E-Learning-Plattformen verhältnismäßig günstig.
E-Learning ist selbstbestimmt
Mitarbeitende können sich gezielt das aneignen, was für ihre Arbeit wirklich von Relevanz ist und was sie am meisten weiterbringt. Seminare hingegen bieten nur einen oberflächlichen Querschnitt, der allen Teilnehmern irgendwie gerecht werden muss. Außerdem können Mitarbeiter:innen dank E-Learning im eigenen Tempo lernen und Lerninhalte so oft wiederholen, bis sie verinnerlicht sind. Selbstbestimmung steigert die Lernmotivation!
E-Learning bietet standardisierte Qualität
Während Lehrgänge mit der fachlichen sowie didaktischen Qualität des Referenten stehen und fallen, bieten E-Learning-Angebote für jeden Teilnehmenden immer die gleiche, standardisierte Qualität.
E-Learning bietet Mehrsprachigkeit
Vor allem Unternehmen mit mehreren Standorten im In- und Ausland profitieren davon, dass viele E-Learning-Angebote in mehreren Sprachen zur Verfügung stehen und somit grenz- und standortübergreifend von allen Mitarbeitenden genutzt werden können.
Die Nachteile von E-Learning
E-Learning bedarf einer Strategie und geeigneter Plattform
E-Learning ist sehr variantenreich. Es bedarf deshalb unbedingt einer Strategie aus der hervorgeht, welche Lernziele sich mit welchen E-Learning-Angeboten am besten realisieren lassen. Außerdem ist eine Software oder Plattform, die sowohl die technischen als auch die didaktischen Voraussetzungen erfüllt, unerlässlich. Beides gleich gut zu bedienen gelingt nur wenigen Anbietern. E-Learning ist also kein Selbstläufer, sondern erfordert Engagement und Planung.
E-Learning erfordert technische Ressourcen
Damit E-Learning effizient praktiziert werden kann, braucht es eine ausgereifte Software oder Plattform, die auf entsprechend leistungsfähigen Endgeräten ausgeführt werden kann. Soll es dem Personal zum Beispiel ermöglicht werden, damit auch außerhalb der Arbeitszeiten zu lernen, müssen ihm entsprechende Geräte zur Verfügung gestellt werden. Auch die Bandbreite des Internets muss ausreichend hoch sein, um eine reibungslose Nutzung zu gewährleisten.
E-Learning erfordert Selbstdisziplin
Eigenverantwortlich zu lernen hat viele Vorteile, setzt aber auch voraus, dass jeder die notwendige Selbstdisziplin mitbringt. Denn anders als bei Seminaren gibt es meist keinen Pflichttermin, an dem Mitarbeitende teilnehmen müssen. Dieses Problem kann umgangen werden, indem feste E-Learning-Zeiten vereinbart werden, die wie jeder andere Termin auch behandelt werden.
E-Learning bietet mehr Chancen als Risiken
Organisationen, die das Thema E-Learning strategisch angehen, können viele Nachteile der bisherigen Weiterbildungsmentalität eliminieren und von den Vorteilen des digitalen Lernens profitieren. Dabei muss man sich keineswegs für das eine und gegen das andere entscheiden. E-Learning lässt sich wunderbar mit Präsenzveranstaltungen kombinieren.
Und E-Learning bedeutet nicht zwangsläufig, nur noch mit dem Computer zu interagieren. Live-Schulungen und -Seminare lassen sich auch digital durchführen. Das beweist jedoch auch, dass E-Learning allein noch keine Garantie für die Verbesserung der Weiterbildungsqualität ist.
KI im E-Learning und die Pflicht zur KI-Kompetenz
Künstliche Intelligenz verändert das digitale Lernen auf zwei Wegen: als Werkzeug für die Erstellung von Lerninhalten und als Schulungsthema, das Unternehmen seit 2025 nicht mehr ignorieren können.
KI als Werkzeug: Mit KI-Tools lassen sich Lernmodule, Zusammenfassungen und Quizfragen aus vorhandenen Unterlagen deutlich schneller entwerfen. Die Inhalte müssen aber fachlich geprüft werden, bevor sie live gehen. Personenbezogene Daten gehören nicht in frei verfügbare KI-Tools.
KI als Pflichtthema: Seit dem 2. Februar 2025 verlangt Art. 4 der EU-KI-Verordnung (AI Act), dass Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen, für ausreichende KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten sorgen. E-Learning ist ein naheliegender Weg dafür: Schulungen lassen sich auf die eingesetzten Tools zuschneiden, und die Teilnahme ist dokumentiert.
E-Learning ist damit ein fester Bestandteil der HR Digitalisierung, neben digitaler Personalakte, Zeiterfassung und Self-Service.
Häufige Fragen zu E-Learning im Unternehmen
Was ist E-Learning?
E-Learning umfasst alle Formen des Lernens, bei denen digitale Medien Lerninhalte bereitstellen, etwa Lernplattformen und Apps, Online-Kurse, virtuelle Klassenzimmer und Webinare.
Welche Vorteile hat E-Learning für Unternehmen?
E-Learning ist zeitlich und örtlich flexibel, meist günstiger als Präsenzseminare mit Reisekosten, bietet allen Teilnehmenden die gleiche Qualität und ermöglicht Lernen im eigenen Tempo. Mehrsprachige Angebote erreichen auch Mitarbeitende an anderen Standorten.
Welche Nachteile hat E-Learning?
E-Learning braucht eine Strategie, eine passende Plattform und technische Ausstattung. Mitarbeitende benötigen Selbstdisziplin und feste Lernzeiten im Arbeitsalltag. Ersetzt E-Learning Präsenzformate vollständig, fehlt der persönliche Austausch.
Ersetzt E-Learning Präsenzschulungen?
Nicht vollständig. Am besten wirkt eine Kombination: Wissen per E-Learning, Austausch und Übung in Präsenz oder in Live-Online-Formaten.
Müssen Unternehmen ihre Mitarbeitenden zu KI schulen?
Ja, wenn sie KI-Systeme einsetzen. Seit dem 2. Februar 2025 verpflichtet Art. 4 AI Act Unternehmen, für ausreichende KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten zu sorgen. Eine bestimmte Schulungsform schreibt die Verordnung nicht vor.
